Simbabwe: Die verheerenden Auswirkungen von COVID-19 auf die Gesundheit von Müttern

Der folgende Beitrag der Campaignerin, Vongai Chikwanda, der sich mit den Auswirkungen von COVID-19 auf die Gesundheit von Müttern in Simbabwe befasst, wurde in der simbabwischen Tageszeitung NewsDay veröffentlicht.

Von Vongai Chikwanda, Amnesty International für die Länder des südlichen Afrika

Rutendo* näherte sich ihrem Geburtstermin, als die Regierung den 21-tägigen Lockdown zur Bekämpfung von COVID-19 ankündigte. Sie wohnt in einem landwirtschaftlichen Gebiet, 35 Kilometer von der nächsten Gesundheitseinrichtung entfernt, und ihre Chancen, rechtzeitig einen Krankenwagen für die Notfallversorgung zu bekommen, waren immer minimal. Rutendos ältere Schwester starb vor fünf Jahren an Komplikationen während der Schwangerschaft. Daher wollte ihre Mutter kein Risiko eingehen und schickte Rutendo in das nächstgelegene Distriktkrankenhaus, um dort auf eine sichere Entbindung zu warten, bevor die Abriegelung am 30. März in Kraft trat. Bereits am nächsten Tag entband Rutendo ein gesundes Mädchen. Da sie noch Schmerzen hatte, erwartete sie, mindestens zwei Tage unter Beobachtung zu bleiben. Aber sie wurde nach einer Nacht entlassen, als der Lockdown begann.

Innerhalb von zwei Wochen erkrankte ihr Baby. Rutendos Mutter war der Meinung, dass das Baby Magenmedikamente benötigte. Rutendo hatte gehört, dass Soldaten Menschen auf der Straße verprügelten, um die Abriegelung zu erzwingen, und sie hatte Angst, Medikamente kaufen zu gehen, aber ihr Baby hatte Schmerzen, so dass sie den Mut fasste, in das nächste Einkaufszentrum in Norton, 40 km westlich von Harare, zu gehen.

Bei der Ankunft stellte Rutendo fest, dass die Apotheke ihre Öffnungszeiten eingeschränkt hatte und geschlossen war. Sie kehrte am nächsten Tag zurück, aber die Apotheke hatte nicht die Medikamente, die sie suchte, und man riet ihr, nach Harare zu fahren. Rutendo sagte gegenüber Amnesty International, dass sie wegen der zahlreichen Kontrollpunkte und der Gefahr von Polizeibrutalität Angst davor habe, nach Harare zu reisen, da sie keine Unterlagen zur Legitimation ihrer Reise habe. Als Gemeindemitglieder ihr rieten, als Beweis mit ihrem Baby zu reisen, erwiderte sie: „Wie soll ich mit einem Kind, das weniger als 6 Wochen alt ist, nach Harare reisen, nur um Medikamente zu holen? Ich werde das Kind in größere Gefahr bringen“.

Viele frischgebackene Mütter stehen jetzt aufgrund der Pandemie vor unmöglichen Entscheidungen wie dieser. Neben Reisebeschränkungen und Medikamentenmangel sind einige von den weiblichen Verwandten abgeschnitten, auf die sie für die postpartale Unterstützung angewiesen sind. Rutendo erklärte, dass die Unterstützung kulturell älterer Frauen eine entscheidende Unterstützung für frischgebackene Mütter sei.  Rutendo lobte ihre Mutter dafür, dass sie sich um sie kümmert, nahrhafte Mahlzeiten kocht, sie pflegt und hilft, sich um das Neugeborene zu kümmern, während es sich erholt. Untersuchungen zeigen, dass soziale Unterstützung dazu beitragen kann, Wochenbettdepressionen zu verhindern. Unzählige andere frischgebackene Mütter haben nicht den Vorteil, ihre Mütter oder andere Verwandte in der Nähe zu haben, die ihnen die nötige Unterstützung während dieses Lockdown geben können. Die Isolation hat dazu geführt, dass einige frischgebackene Mütter allein sind, ohne jegliche Hilfe oder soziale Unterstützung.

Tryphine* lebt in einem Township außerhalb von Harare, und ihre Mutter konnte nicht von Masvingo aus anreisen, das 297 Kilometer von Harare entfernt liegt, um für die Geburt bei ihr zu sein. Tryphine brauchte einen Kaiserschnitt und erholte sich nur mühsam. Doch wird immer noch von ihr erwartet, dass sie kocht, Wasser holt und sich um ihre beiden anderen kleinen Kinder kümmert. Da sie niemanden hat, der ihr hilft oder mit dem sie sprechen kann, musste sie ihr ältestes Kind bitten, ihr bei der häuslichen Pflegearbeit zu helfen, und vernachlässigt dabei ihre Genesung.

Für einige Mütter verschlimmert sich die Situation noch dadurch, dass sie in einer Großfamilie leben, ohne Zugang zu fließendem Wasser, und in der andere Familienmitglieder möglicherweise versorgt werden müssen. Die Pflegearbeit, die Mütter in diesen Situationen leisten müssen, umfasst die Sorge dafür, dass die Familienmitglieder Wasser zum Baden und Trinken haben und ihre Mahlzeiten zubereitet werden. Die Abriegelung bedeutet dabei noch eine zusätzliche Belastung für Frauen und Mädchen, die bereits 2,5 bis 3 Mal so viel unbezahlte Pflegearbeit zu Hause leisten wie Männer.

Viele Familien sind auch mit zunehmender Armut konfrontiert, da sie während der Abriegelung nicht arbeiten können. Viele schwangere Frauen und Mädchen werden die Kosten für den Transport zu Gesundheitseinrichtungen zur Entbindung nicht aufbringen können.  Wer im Gegensatz zu Rutendo keine Unterstützung erhält, hat keine andere Wahl als eine Hausgeburt mit ungelernten Geburtshelfern, wodurch eine Entbindung unter unhygienischen Bedingungen riskant wird. Einige Krankenschwestern haben gegenüber Gemeindeaktivisten erklärt, dass die Zahl der Frauen, die in Entbindungsheime, Kliniken oder Krankenhäuser gehen, um dort auf eine qualifizierte Entbindung zu warten, zurückgegangen sei. Dennoch haben schwangere Frauen ihre Besorgnis darüber zum Ausdruck gebracht, dass es während der Abriegelung schwierig ist, einen Transport zu bekommen, und sie haben Angst vor Polizeigewalt. Hausgeburten mit unqualifizierter Betreuung setzen Frauen und Mädchen dem Risiko von Müttersterblichkeit und Krankheiten aus und können verheerende Folgen für das Baby haben, einschließlich des Risikos einer HIV-Übertragung von Mutter zu Kind.

Simbabwe kämpft bereits mit hohen Müttersterblichkeitsraten.  Während des anhaltenden Lockdown muss die Regierung der Gesundheitsversorgung von Müttern Vorrang einräumen. Die Behörden müssen Vorkehrungen treffen, um sicherzustellen, dass Frauen und Mädchen Zugang zur Schwangerenvorsorge, zu Entbindungsheimen für Mütter und zu qualifizierter medizinischer Versorgung haben, um entbinden zu können. Sie sollten auch medizinische und soziale Unterstützung in der Zeit nach der Entbindung ermöglichen und den Zugang zu Medikamenten und medizinischer Versorgung sicherstellen.

*Die echten Namen wurden geändert, um Identität der Personen zu schützen.

Hier der Link zum Zeitungsartikel.

3. Mai 2020