Amnesty International und die Zambia Free Press Initiative (FPI) äußern große Sorge über den Angriff auf den Power News Network‑Journalisten Alfonso Kasongo am 19. April 2026 im Stadtteil Linda Compound im Distrikt Chilanga in Lusaka. Sie fordern die sambischen Behörden dringend auf, unverzüglich eine rasche, unabhängige, unparteiische und wirksame Untersuchung des Vorfalls einzuleiten und alle Verantwortlichen in fairen Verfahren zur Rechenschaft zu ziehen.
Alfonso Kasongo wurde angegriffen, als er über ein Treffen berichtete, das von der regierenden Partei United Party for National Development (UPND) organisiert worden war. Während der Veranstaltung warf ein junger Mann Steine auf den Haupttisch und wurde daraufhin von UPND‑Mitgliedern festgehalten und schwer misshandelt. Als Parteimitglieder bemerkten, dass Kasongo die Ereignisse filmte, richteten sie ihre Aufmerksamkeit auf ihn. In im Internet verbreitetem Videomaterial ist zu sehen, wie Kasongo sich als Journalist zu erkennen gibt und die Angreifer anfleht, aufzuhören. Dennoch setzte sich der Angriff fort; die Täter nutzten Schlagstöcke und Metallstangen. Kasongo berichtete, dass es ihm während der Übergriffe gelang, vor einigen Angreifer*innen zu fliehen, die Elektroschockwaffen bei sich trugen. Er erlitt leichte Verletzungen am Hals und wurde medizinisch behandelt.
Dieser Angriff stellt eine schwerwiegende Verletzung des Rechts auf Meinungsfreiheit sowie des Rechts auf Sicherheit der Person dar. Journalist*innen müssen ihrer Arbeit ohne Angst vor Gewalt, Einschüchterung oder Repressalien nachgehen können.
Der Vorfall folgte auf die Unterbrechung einer Live‑Radiosendung bei Radio Mpongwe am 8. April 2026. Berichten zufolge handelten Polizeikräfte dabei gemeinsam mit Parteikadern, um eine bezahlte Sendung zu stoppen und Personen innerhalb der Räumlichkeiten des Senders zu verfolgen. Solche Maßnahmen stellen einen rechtswidrigen Eingriff in die Medienfreiheit und in zivilgesellschaftliche Räume dar.
Obwohl die UPND diese Angriffe verurteilt hat, ist dies ohne rasche, gründliche und unparteiische Ermittlungen, denen faire Verfahren gegen mutmaßlich Verantwortliche folgen, unzureichend. Die Vorfälle ereigneten sich zudem vor dem Hintergrund wachsender Besorgnis über Einschränkungen der Medienfreiheit in Sambia. Dazu zählen der Einsatz rechtlicher und regulatorischer Rahmenwerke zur Beschränkung unabhängiger Berichterstattung sowie Berichte über Belästigung und Einschüchterung von Journalist*innen. Ohne entschlossenes Handeln droht sich ein Klima der Angst, der Selbstzensur und der Straflosigkeit zu verfestigen. Dies unterstreicht die Verpflichtung der Behörden, dringend wirksame Maßnahmen zum Schutz der Medienfreiheit zu ergreifen und ein sicheres sowie förderliches Umfeld für Journalist*innen zu gewährleisten.
Darüber hinaus werfen diese Vorfälle ernste Fragen zu den wachsenden Risiken auf, denen Journalist*innen und Medieninstitutionen in Sambia ausgesetzt sind – insbesondere im Vorfeld der für August 2026 angesetzten allgemeinen Wahlen. Nach Artikel 20 der sambischen Verfassung hat jede Person das Recht auf Meinungsfreiheit, einschließlich der Freiheit, Informationen ohne Einmischung zu empfangen und weiterzugeben. Sambia ist außerdem an seine Verpflichtungen aus dem internationalen und regionalen Menschenrechtsschutz gebunden, darunter die Artikel 9 und 19 des Internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte (IPbpR) sowie Artikel 9 der Afrikanischen Charta der Menschenrechte und Rechte der Völker, die das Recht auf Meinungsfreiheit und Zugang zu Informationen garantieren. Die Behörden sind nicht nur verpflichtet, diese Rechte zu achten, sondern auch, Menschen vor Übergriffen durch Dritte zu schützen und Rechenschaft sicherzustellen, wenn Menschenrechtsverletzungen oder ‑verstöße begangen werden.
Amnesty International und FPI fordern die sambischen Behörden auf,
- unverzüglich rasche, unabhängige, unparteiische und wirksame Untersuchungen zu dem Angriff auf Alfonso Kasongo sowie zu weiteren Angriffen und Einschüchterungen von Journalist*innen und Medienhäusern einzuleiten und sicherzustellen, dass mutmaßlich Verantwortliche in fairen Verfahren zur Rechenschaft gezogen werden;
- umgehend wirksame Maßnahmen zu ergreifen, um Sicherheit, Schutz und ein förderliches Arbeitsumfeld für Journalist*innen und Medienschaffende im gesamten Land zu gewährleisten, unter anderem durch die Prävention und Untersuchung von Angriffen sowie durch ein rasches Reagieren auf Bedrohungen;
- das Recht auf Meinungsfreiheit, einschließlich der Medienfreiheit, zu achten, zu schützen und zu gewährleisten und sicherzustellen, dass Journalist*innen und Medienschaffende frei, unabhängig und ohne Angst vor Gewalt, Einschüchterung oder Repressalien arbeiten können.
Eine freie Medienlandschaft ist unerlässlich, um Transparenz, Rechenschaftspflicht und den Schutz der Menschenrechte zu gewährleisten. Amnesty International und die Zambia Free Press Initiative stehen in Solidarität mit Alfonso Kasongo und allen Journalist*innen in Sambia, die bei ihrer Arbeit Bedrohungen, Einschüchterungen und Gewalt ausgesetzt sind.